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Der falsche Freund

Franz Ranzinger war mehr als 30 Jahre vom Alkohol abhängig − Er schafft den Absprung und gründet eine Selbsthilfegruppe

Franz

Deggendorf. Der adrett gekleidete Herr mit den grau melierten Haaren und der schlichten Brille wirkt offen und selbstbewusst. Ein Mann, der sagt, was er will − der mit beiden Beinen im Leben steht. Aber auch ein sensibler Mann, der Gefühle zeigt, redet, wenn ihn etwas belastet. Doch Franz Ranzinger war nicht immer dieser Mann. Denn jahrelang wurde er beherrscht und kontrolliert – vom Bier. Der Alkohol ergriff schleichend Besitz von dem heute 57-Jährigen. „Ich bin mit dem Bier aufgewachsen", sagt er mit Nachdruck in der Stimme. Nüchtern erzählt er seine Geschichte, ruhig und ausgeglichen. Ohne große Gefühlsausbrüche, ohne große Gesten, manchmal aber mit einem Lächeln im Gesicht.

 

Seine ersten Räusche hat Franz Ranzinger bereits als Schulbub. Seine Mutter arbeitet in Wirtshäusern,

der Vater stirbt früh. Der Stammtisch wird die zweite Heimat, die älteren Männer des Dorfes sind für ihn eine Art Vaterersatz. Der Jugendliche sucht nach Anerkennung, nach Liebe. Die glaubt er im Wirtshaus bei einem Bier zu finden. Die Gefahr des Alkohols sieht in den 60er Jahren noch niemand. Ging ein Mann nach zwei Gläsern Bier nach Hause, galt er am Stammtisch als Weichling.