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Er schlittert immer mehr in die Sucht

„Mir war damals nie bewusst, dass ich vom Alkohol abhängig werden könnte", sagt der 57-Jährige. Franz Ranzinger schlittert immer mehr in die Sucht. Die erhoffte Wertschätzung findet er nicht. Im Gegenteil. Im Freundeskreis, bei jungen Frauen stößt er zunehmend auf Ablehnung. Trost sucht er immer wieder im Alkohol. Mit diesem betäubt er auch sein schlechtes Gewissen, das er nach seinen Ausfällen hat. „Ich hatte fast bei jedem Vollrausch einen Filmriss", erinnert er sich. „Ich wusste nicht, wie ich nach Hause gekommen oder in manchem Bett gelandet bin."

 

Er kann keinen Tag mehr ohne den Alkohol leben. Schnaps trinkt er zwar kaum, aber 20 bis 25 Flaschen Bier sind für ihn keine Seltenheit. Seine Freundin, die 20 Jahre älter ist als er, toleriert den Alkohol. Dass er täglich Alkohol im Blut hat, merkt aber niemand. Franz Ranziger lallt nicht, hat nach außen so gut wie keine Ausfallerscheinungen und geht jeden Tag zur Arbeit. Nur bei extremem Konsum gerät er außer Kontrolle. „Als Alkoholiker stellen sich die Leute immer einen Mann mit einer Rotweinflasche an einem Brunnen vor", sagt er. „Das ist aber nicht so, denn die Abhängigen fallen im Alltag kaum auf." Dennoch: Innerlich fühlt er sich vom Alkohol zerfressen.

 

Den Absprung schafft er aber nicht. „Ich bin in der Kirche auf die Knie gefallen, habe Gott angefleht", erzählt er. Auch bei den Ärzten sucht er Hilfe – doch sie geben ihm nur Infusionen. „Die Ärzte beschäftigen sich während des Studiums gerade mal zwei Stunden mit dem Thema Sucht." Etliche Male geht er am Gesundheitsamt vorbei, wagt nicht den ersten Schritt. Doch dann findet Franz Ranzinger einen Arzt, der ihn zu einer Therapie schickt. Auch Arbeitgeber, Familie und Freundeskreis unterstützen ihn. Er ist für 16 Wochen in einer Klinik in Bad Neustadt an der Saale. „Erst dort habe ich kapiert, dass ich Alkoholiker bin." Der 57-Jährige, dessen Mundwinkel Lachfalten umspielen, wird ernst. Nachdenklich blickt er aus dem Fenster.